Interview: Europe should welcome China's positive approach to globalization: Austrian expert

Interview with Karl Aiginger

Xinhuanet, 08.06.2017

Europe and China can cooperate in shaping globalization ensuring social and ecological standards, and Europe should welcome China's positive approach towards globalization, director of the Policy Crossover Center Karl Aiginger told Xinhua in a recent interview.

"Cooperation between China and Europe can be a role model of global engagement," said the Austrian scholar.

Europa braucht Plan für unruhige Nachbarschaft

von Karl Aiginger

DiePresse, 06.06.2017

Wie die USA den Europäern vor 70 Jahren unter die Arme gegriffen haben, sollte Europa heute seinen Nachbarn beistehen. 

Wir feiern in diesen Tagen gerade den 70. Geburtstag des Marshallplanes: Er wurde vom US-Außenminister George C. Marshall am 5. Juni 1947 verkündet: überraschend für die Weltöffentlichkeit, für Europa und für den US-Kongredd. Er hat den Aufschwung im zerstörten Europa ermöglicht, war aber gewiss nicht ganz uneigennützig aus der Perspektive der Vereinigten Staaten. Sie haben sich damit einen Absatzmarkt für ihre Produkte geschaffen und konnten in Europa Dämme gegen den Kommunismus errichten. 

Leserbrief von Josef Regler, diePresse 08.06.2017

Die Zukunft Afrikas ist auch die Zukunft Europas
Für europäischen Marshallplan, um Afrikas eigenständige Entwicklung zu fördern.

Meine Gratulation zum Gastkommentar „Europa braucht einen Plan für die unruhige Nachbarschaft“ von Karl Aiginger, dem früheren Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung, den „Die Presse“ am 6. Juni abdruckte. Jedes Wort in dem Text ist zu unterstreichen. Der historische Marshallplan der Amerikaner für Europa in den Jahren 1947 bis 1952 war eine der intelligentesten und wirkungsvollsten Friedensinitiativen der jüngeren Geschichte. Nun ist Europa herausgefordert, eine ähnliche Initiative der Hilfe zur Selbsthilfe für Afrika zu starten.

Schock vom September 2008
Mit dem Schicksal Afrikas entscheidet sich auch das Schicksal Europas in diesem Jahrhundert. Entweder ergreifen wir die Riesenchance und es gelingt gemeinsam, die enormen Potenziale dieses Kontinents für wirtschaftliche Prosperität, soziale Aufstiegschancen und dauerhaften Frieden zu nützen. Oder wir schlittern geradewegs in die Katastrophe, wenn Hunderte Millionen Afrikaner ihrem Elend durch Flucht nach Europa zu entkommen versuchen.

Bereits 2003 haben wir gemeinsam mit dem Ulmer Informatikprofessor Franz Josef Radermacher und Freunden aus der Zivilgesellschaft in Deutschland und Österreich die Global Marshall Plan Initiative gestartet. Durch einen globalen Marshallplan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft soll eine effektive Entwicklungszusammenarbeit mit fairen, sozialen und ökologischen Spielregeln für die globalisierte Ökonomie verknüpft werden.

Jahrelang waren unsere Bemühungen wie ein Kampf gegen Windmühlen. Erst der Schock vom September 2008, als ein aus den Fugen geratener Spekulationskapitalismus die gesamte Weltwirtschaft in den Ruin gerissen hätte, wenn nicht die Regierungen mit Tausenden Milliarden von Dollar, Euro etc. Bankenrettungsprogramme gestartet hätten, wirkte wie eine Alarmsirene. Seither arbeiten alle wichtigen globalen Wirtschaftsinstitutionen wie Internationaler Währungsfonds, Weltbank, OECD, G20 etc. an einem neuen Paradigma für die globale Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Hoffnungsvolle Initiative
Sie sprechen dabei von „Green and Inclusive Economy“. Dieses Konzept entspricht 1:1 dem Modell der Ökosozialen Marktwirtschaft: Leistungsorientierte Marktwirtschaft, soziale Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit. Die im September 2015 von der UNO beschlossenen „Nachhaltigen Entwicklungsziele 2015 bis 2030“ sowie der Klimavertrag von Paris sind wichtige Umsetzungsschritte.

Zu Beginn dieses Jahres hat die Bundesrepublik Deutschland eine verheißungsvolle Initiative gestartet. Bei einer eindrucksvollen Konferenz mit vielen Repräsentanten afrikanischer Staaten hat der für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zuständige Bundesminister Gerd Müller den „Marshallplan mit Afrika“ vorgestellt. Das Motto: „Afrika und Europa – eine neue Partnerschaft für Entwicklung und Frieden“.

Mobilisierung der EU
Vorrangig geht es um Unterstützungsmaßnahmen für die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung in Afrika und damit um Jobs und Aufstiegschancen vor allem für die jungen Menschen in Afrika. Mit dem politischen Gewicht Deutschlands sollte es dabei gelingen, die gesamte EU für ein arbeitsteiliges Partnerschaftsprojekt mit Afrika, wie auch Professor Aiginger es vorschlägt, zu mobilisieren. Denn: Die Zukunft Afrikas ist auch unsere Zukunft!

Josef Riegler (* 1938 in Judenburg) war von 1987 bis 1991 Minister in zwei Bundesreigerungen und von 1989 bis 1991 Bundesparteiobmann der ÖVP. Er formulierte das Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft.
— http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/5231858/Die-Zukunft-Afrikas-ist-auch-die-Zukunft-Europas

Europastudio: Brexit - Anfang oder Ende?

vom 02.04.2017

Was bedeutet der Brexit für die Unabhängigkeitsbestrebungen Schottlands? Und was sind die Auswirkungen auf die 3,2 Millionen Bürger anderer EU-Länder, die in Großbritannien leben und arbeiten?

Karl Aiginger diskutiert mit Karel Schwarzenberg (ehem. Außenminister der Tschechischen Republik), Andras Inotai (Nationalökonom, ehem. Direktor des Institutes für Weltwirtschaft, Budapest) und Margaretha Kopeinig (EU-Korrespondentin „Kurier“ - Brüssel) bei Prof. Paul Lendvai im Europastudio. 

Kerneuropa führt in die Sackgasse: Bitte vermeiden!

von Karl Aiginger

DiePresse, 17.03.2017

Statt Spaltung in Tugendhafte und Nachzügler wäre eine Differenzierung der Länder nach ihren Präferenzen angebracht.

Zum Geburtstag diskutiert die EU über ihre Zukunft: Befeuert vom Austritt Großbritanniens, den Wünschen von Donald Trump nach weiteren „fantastischen“ Exits, den Begehrlichkeiten Wladimir Putins, Krisengebiete unter seinen „Schutz“ zu stellen, und den Populisten, die zuerst extreme Forderungen stellen, und wenn diese nicht erfüllt werden, sich freuen, ein Feindbild mehr zu haben.

Europa ohne Populismus

von Karl Aiginger

WienerZeitung, 27.02.2017

Die Menschen in Europa erwarten ein besseres Leben, doch die Rahmenbedingungen werden schwieriger: Der Klimawandel, politische und wirtschaftliche Instabilitäten, Migrationsströme und neue Technologien gefährden die Wohlfahrt oder tragen zumindest zu steigender Unsicherheit bei. Dies könnte durch Kooperation - global und innerhalb der EU - besser bewältigt werden. Eine stärkere gemeinschaftliche Politik kann Arbeitslosigkeit und Ungleichheit reduzieren und Europa eine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel verschaffen.

Mehr nationaler Spielraum durch ein stärkeres Europa

von Karl Aiginger und Rainer Brunnauer

Ökonomenstimme.org, 25.02.2017

"Während immer mehr Probleme eine stärkere internationale Zusammenarbeit erfordern, nimmt das Vertrauen in die europäische Politik ab. Die Lösung dieses Dilemmas liegt in einem Europa, dessen Politik nationale Spielräume nicht einengt, sondern bewusst nutzt und sogar ausweitet. Dieser Beitrag zeigt, wie das beispielhaft in der Steuerpolitik funktionieren könnte und analysiert als bisheriges Best Practice Beispiel die europäische Regionalpolitik."

Topic of the Quarter - Q1/2017

Aiginger - "Trump versucht Europa zu zerstören"

APA Interview mit Karl Aiginger

22.01.2017
 

Neuer US-Präsident wolle Europa in zwei Einflusssphären von USA und Russland aufteilen - Europa soll an eigenen Werten festhalten!

Wien/Washington (APA) - "Für (den frisch vereidigten US-Präsidenten Donald) Trump gilt nur Amerika zuerst, und gleichzeitig versucht er, Europa zu zerstören", sagte Karl Aiginger von der Querdenkerplattform im Gespräch mit der APA. "Wahrscheinlich ist seine größere Idee, Europa aufzuteilen", in zwei Sphären in denen Russland beziehungsweise die USA die Macht haben. Darum begrüße er den EU-Austritt weiterer Länder.

Trump sehe die Welt als "Nullsummenspiel", das heißt dass jemand anderer verlieren müsse, damit Amerika gewinnen kann. Der neue US-Präsident glaube offensichtlich nicht an Kooperation und daran, dass bei einer guten Zusammenarbeit beide Seiten gewinnen können. Europa solle sich aber keinesfalls auf dieses Niveau begeben, selbst wenn die USA wie von Trump angekündigt Strafzölle von bis zu 45 Prozent auf Importe einführen.

"Europa sollte versuchen, sein eigenes Modell in der Globalisierung durchzusetzen und möglichst viele Partner zu suchen", empfiehlt Aiginger, der bis Sommer 2016 das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geleitet hat und dann die Querdenkerplattform als interdisziplinären Diskussionsforum für europäische Politik gegründet hat. Europa könne mit seinem Modell vielleicht sogar eine Führungsrolle in der Globalisierung übernehmen und diese "nach europäischen Werten gestalten, mit höheren sozialen und ökologischen Standards und einer besseren Technologie".

Aiginger geht davon aus, dass die USA ihre Sanktionen gegen Russland aufheben und ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland aufbauen werden. Europa solle auch an Russland Angebote für mehr Kooperation machen. Immerhin sei Russland ein Nachbarland Europas. Die Angebote sollten aber die europäischen Werte spiegeln, etwa die Ablehnung militärischer Interventionen oder bessere soziale und ökologische Standards.

Die angekündigten Zölle wurden der US-Wirtschaft kurzfristig zu einem stärkeren Wachstum verhelfen, sagt Aiginger. Aber dann werden die Preise steigen und die Lebenshaltungskosten vor allem für Amerikaner mit niedrigen Einkommen werden sinken. Die ärmeren Menschen wären deshalb stärker betroffen sein, weil sie viele billige, ausländische Waren kaufen. US-Firmen wiederum würden verlieren, weil sie bisher von der Kombination billiger Produktionsstätten im Ausland mit High-Tech-Produktion in den USA profitieren - die Billigproduktion in die USA zurückzuverlagern sei aber unmöglich, sagte Aiginger.

Kurzfristig werde es so aussehen, als ob die US-Wirtschaft von den Zöllen profitiere, aber der Dollar werde rasch steigen, ebenso wie die Staatsschuld. Auch werde sich längerfristig zeigen, dass die Investitionen in Öl und Schiefergas in die falsche Richtung gehen, weil es zu mehr Dürren und Wetterkapriolen kommen werde. Auch die steigende Ungleichheit werde in den USA ein Problem. "Die Trump-Wähler, die heute geglaubt haben, dass er ihnen hilft, weil er ihnen zusätzliche Arbeitsplätze bringt, werden feststellen, dass ihre Realeinkommen wegen der Inflation sinken".

Was Amerikas Rückzug aus dem Welthandel Europa kostet, hänge davon ab, wie Europa reagiert, meint Aiginger. Wenn Europa das zu einer Offensive nutze und die Marktanteile in der Nachbarregion aber auch in Asien oder Südamerika erhöhe, "dann kostet das gar nichts". Wirklich teuer werde es für Europa hingegen, "wenn wir Trump minus 20 Prozent machen" und gleiches mit gleichem vergelten. Europa würde dann auch Chancen vergeben auf Technologieführerschaft bei erneuerbarer Energie, neuen Antreiben für KFZ und energiesparenden Bauten. Auch wenn Europa nun bei der Umsetzung des Klimaabkommens langsamer werde, würde dies Europa Kosten verursachen.

"Klimavertrag ade - oder doch nicht?"

von Karl Aiginger

WienerZeitung, 30.12.2016

"2016 hätte die Geburtsstunde einer neuen Klimapolitik sein können. Das Abkommen von Paris, das die Erderwärmung unter zwei Grad halten wollte, trat im November in Kraft. Schnell wie noch nie bekam die Welt also ein Abkommen, das 195 Länder betrifft, nach nur elf Monaten. Es war ein diplomatisches Meisterwerk, weil es allen Länder überließ, wieviel und mit welchen Schwerpunkt sie es schafften. Wenn die ersten Vorschläge nicht reichten - was dann wirklich der Fall war - müssten nachgeschärft werden, durch Lernen von den Besten."